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Die Dreifachhalle am Schwimmbad in Hiltrup ist kein Zuschauerparadies

Renovierungsarbeiten

HILTRUP In der Dreifachturnhalle am Schwimmbad in Hiltrup können Sportler eine Menge machen. Handball spielen zum Beispiel. Oder Volleyball. Wer Lust hat, kann danach im obenauf liegenden Schwimmbad eine Runde drehen: Ein Paradies für Sportler. Für Zuschauer dagegen nicht.

Auf den Besuchertoiletten zuckt das Licht wie in einem Horrorfilm. Im Foyer hängt ein Verteilerkasten, unter dem ein Fleck in der Farbe von Erbrochenem seine Gäste begrüßt. Der Regieraum der Halle sieht aus, als hätte man die Handwerker von heute auf morgen nicht mehr bezahlt. Und auf dem Weg zur Tribüne müssen Zuschauer an den Kabinen vorbei – vor denen sich Frauen wegen der sich ausschließlich auf dem Gang befindlichen Steckdosen – halbnackt die Haare föhnen. „Der Zustand ist desolat“, sagt Wolfgang Weste von der DJK Eintracht Hiltrup.

Missstände nicht länger hinnehmen

Der Vorsitzende des Vereins, der die Halle nicht nur mit seinen Handballern für Heimspiele nutzt, führt zusammen mit dem Obmann der 1. Herren-Mannschaft Manfred Bahr durch die Mehrzweckhalle. Beide wollen die Missstände nicht länger hinnehmen und sich bei Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt (CDU) beschweren.

Nach einem langen Marsch durch den „Turnschuhgang“ und ein Treppenhaus erreicht man die Tribüne. Wer vorher falsch abbiegt, geht im unbeschrifteten Labyrinth verloren. Wolfgang Weste zeigt auf die Eisentreppe, die vom Sportamt als Haupteingang für Zuschauer vorgesehen ist. Sie ist im Winter nur mit Bergschuhen passierbar und außerdem unbeleuchtet.

Fahrstuhl führt nur ins Schwimmbad

Behinderte Zuschauer haben gar keine Chance. Der Fahrstuhl, der auf Hallenhöhe führt, gehört, wie auch der alte Eingang, zum Schwimmbad: „Wenn wir den wieder nutzen könnten, wäre alles in Ordnung“, sagt Manfred Bahr, der sich schon im November bei der MZ über die Vernachlässigung des Handballsports seitens des Sportamts beschwert hatte. Drei Monate später ist wenig bis gar nichts passiert. Zwar seien Teile des Bauschutts zum Beispiel aus den Herrentoiletten verschwunden, das war es dann aber auch. Unverputzte Wandabschnitte schrecken Besucher ab: „Die kommen nicht mehr wieder“, sagt Weste.

Für ihn ist die Lösung klar: Das Sportamt muss den alten Eingang wieder frei geben. Das Problem: Früher gab es zwischen dem Zugang zur Schwimm- und dem zur Turnhalle eine hohe Trennwand. Die ist nun einer hüfthohen Plastikbarrikade gewichen, über die – wer möchte – locker ins Bad gelangen kann. Weste glaubt daran zwar nicht: „Kein Handballfan verschwindet plötzlich im Schwimmbad.“ Doch die Gefahr besteht. Außerdem ist der alte Eingang zur Halle längst zur Fluchttür – also zum Notausgang mit Alarm-Automatik – umfunktioniert worden.

Sportamt spricht von normalen Behinderungen

Das Sportamt spricht in Person von Amtsleiter Bernd Schirwitz von einer „Übergangsphase“ und von für einen solchen Umstand „normalen Behinderungen.“ „Es werden jetzt Anpassungen nachgeholt. Im Regieraum werden Anlagen installiert, die Toiletten werden gemacht, eine neue Beschilderung für den Weg zu den Tribünen ist ebenfalls geplant und wenn an der Außentreppe eine Beleuchtung fehlt, muss die nachgerüstet werden“, sagt Schirwitz. Und behinderte Zuschauer? „Diese Plätze sind ohnehin direkt in der Halle und somit durch den Vordereingang ebenerdig erreichbar.“

Wolfgang Weste reagiert darauf gereizt: „Das ist keine Übergangsphase, sondern ein Endpunkt! Als der TuS Hiltrup vor seiner letzten Großveranstaltung wegen der Toiletten nachfragte, kam die Antwort, sie sollten sich doch selbst darum kümmern.“ Die Stimmung ist vergiftet zwischen den Hallennutzern und dem Sportamt. Ein Paradies sieht wahrlich anders aus.

Münstersche Zeitung / Daniel Otto 21.01.2010

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